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Griesserbauer

Servus Magazin -  Juni 2018
RUNTER VOM VOLLGAS

Vom Griesserbauern in Ötz, der immer stur seinen Weg ging. Und der nur mit seiner Hände Arbeit und dem Wissen der Ahnen genug zum gutleben hat. 

© Foto: Philip Horak

Es gibt Menschen, denen steht die Sturheit richtig gut. Das kann man ja nicht von jedem sagen. Meistens wenn einer stur ist, kriegt er was Verbissenes und unter sowas Verbissenem leidet dann gleich die ganze Ausstrahlung und die Schönheit ist auch pfutsch. Die Lippen werden schmal, selbst Jungspunde haben plötzlich runzelige Falten um die Augen. Insgesamt wirkt der Mensch dann so, als hätte er in eine Zitrone gebissen.

 

Der Griesserbauer in Ötz hatte davon gar nichts. Seine Sturheit nährt sich aus gesundem Menschenverstand, speist sich aus dem Wissen der Ahnen und dann kommt noch eine gute Portion Selbstbewusstsein dazu. Schließlich ist Heinz Griesser Tiroler und die lassen sich bekanntlich nicht so gerne sagen, wo es lang zu gehen hat.

RUNTER VOM VOLLGAS

Wir, sagte der Griesserbauer als wir mit ihm über die Weide stapften und seine 35 Kühe wie auf Kommando die Grasbüscheln links liegen ließen und ihrem Herrn entgegen trotteten. Sehr gemächlich machten sie das, weil vom Stress scheint hier keiner geplagt zu sein. Nicht einmal der Griesserbauer, obwohl er einen recht dynamischen Schritt drauf hat.

 

Wir, sagte der Griesserbauer also, und meinte damit auch seine Frau Ida, wir möchten es selber in der Hand haben, was wir tun. So weit es die Natur zulässt natürlich, denn mit der muss man sich als Bauer immer arrangieren. Aber von der Agrarindustrie lässt er sich sicher nicht vorschreiben, wie er seinen Job zu machen hat. Da wird man nur abhängig.

 

Seine Kühe stehen von Anfang April bis Mitte November auf einer Kurzrasenweide und haben gelernt selber zu fressen. Da ist nichts mit Futter ernten, silieren und aufbereiten. Dafür braucht man Maschinen, die kosten nur Geld und schließlich muss der Bauer ja auch von etwas leben. Schon seine Vorfahren sind ohne dem ganzen Zeug ausgekommen. Macht halt mehr Arbeit, aber auch mehr Sinn. Sagte der Griesserbauer.

 

Als er 1989 die Landwirtschaft am Griesserhof auf Bio umstellte und auf technischen Fortschritt verzichtete, sagten die anderen im Tal, das geht nicht. Ich bin aber dafür bekannt, sagte der Griesserbauer, dass ich es dann erst recht probiere. Natürlich hat es gedauert bis er das mit der richtigen Fruchtfolge zwischen Mais und Erdäpfeln heraußen hatte. Und dass er recht bald die Gülle zum Düngen mit Steinmehl versetzte, damit es nicht gar so arg stinkt, dafür waren sie ihm in ganz Ötz dankbar. Wo Mischtus, da Christus, sagte der Griesserbauer und lachte dabei so spitzbübisch wie ein Teenager. Der Spruch vom alten Ötzer Pfarrer Friedl ist zwar schon 200 Jahren alt, aber der Griesserbauer nimmt ihn heute noch gerne her, wenn die Anrainer die Nase rümpfen. 

 

In seiner Landwirtschaft wird händisch Unkraut gezupft, gemolken und überhaupt alles was geht mit der eigenen Kraft gemacht. Wir müssen wieder runter vom Vollgas, sagte der Grieserbauer, das tut der Erde und den Menschen nicht gut. Auch den Tieren nicht, deshalb findet sich in seiner Herde keine einzige Turbokuh. Nur Hollsteiner, die sind seit Jahrhunderten bewährte Milchkühe. Mit ihnen hat er 2016 die höchste Milchleistung pro Hektar zusammen gebracht. Nicht in Österreich, in ganz Europa. Und schon gar nicht verbissen, nur stur seinem Weg folgend.